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BigSix GetUp

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BigSix 6: Der Get Up

Erstellt am:

24.06.2026

Ort:

Pergamentergasse 33A

BigSix GetUp

Was die Big Six wirklich trainieren


Teil 6: Der Turkish Get Up

Den Menschen organisieren

Die meisten Menschen betrachten den Turkish Get Up als eine Möglichkeit, mit einer Kettlebell aufzustehen.

Das ist ungefähr so, als würde man ein Schachspiel als das Verschieben von Figuren beschreiben.


Technisch richtig.

Inhaltlich viel zu klein.


Der Get Up trainiert nicht das Aufstehen.

Er trainiert die Fähigkeit, sich unter einer Last immer wieder neu zu organisieren.

Genau hier beginnt der Turkish Get Up interessant zu werden.


Die Verbindung zum Hauptartikel

Im Hauptartikel haben wir die Big Six den grundlegenden Movement Patterns zugeordnet.

Beim Get Up wird diese Zuordnung plötzlich schwierig.


Denn hier begegnen uns nahezu alle wieder.

Push.

Pull.

Hinge.

Squat.

Carry.

Groundwalk.


Der Get Up ist kein einzelnes Movement Pattern.

Er ist ein Gespräch zwischen ihnen.


Während die anderen Big Six meist eine Aufgabe besonders betonen, verlangt der Get Up die Zusammenarbeit vieler Fähigkeiten gleichzeitig.


Die eigentliche Aufgabe

Viele Menschen beobachten die Kugel.

Der Fortgeschrittene beobachtet den Körper unter der Kugel.


Das ist ein entscheidender Unterschied.

Denn während sich der Mensch ständig verändert, bleibt die Aufgabe dieselbe.


Die Kugel soll möglichst ruhig bleiben.

Die Linie soll erhalten bleiben.

Die Orientierung soll nicht verloren gehen.


Die eigentliche Bewegung findet deshalb nicht über der Kugel statt.


Sondern unter ihr.


Die Kugel ist die Konstante

Der Körper beginnt am Boden.

Große Auflagefläche.

Große Stabilität.

Große Sicherheit.


Dann verändert sich alles.


Liegen.

Ellenbogen.

Hand.

Sitzen.

Brücke.

Kniestand.

Ausfallschritt.

Stand.


Mit jedem Übergang wird die Auflagefläche kleiner.

Mit jedem Übergang steigen die Anforderungen.

Mit jedem Übergang wird die Organisation wichtiger.


Die Kugel dagegen bleibt.


Sie wird zur Referenz.

Zum Orientierungspunkt.

Zur Konstante.


Während sich der Mensch verändert, bleibt die Aufgabe dieselbe.


Fokus ist Richtung

Fokus bedeutet hier nicht Konzentration.

Nicht Motivation.

Nicht mentale Stärke.


Fokus bedeutet Richtung.


Die Kugel steht über dem System.

Der Arm steht unter der Kugel.

Der Körper organisiert sich unter dem Arm.

Je schwerer die Last wird, desto wichtiger wird diese Ausrichtung.


Ein leichter Fehler bleibt bei leichten Gewichten oft unbemerkt.

Eine schwere Last macht ihn sofort sichtbar.


Der Get Up verzeiht nicht.

Nicht später.

Sofort.

Die Kugel fällt.


Garantiert.


Die Säule

Der Get Up wirkt auf den ersten Blick wie eine bewegte Übung.

Tatsächlich ist sein Ziel das Gegenteil.


Die Kugel soll sich möglichst wenig bewegen.

Idealerweise steigt und fällt sie nahezu senkrecht.


Wie auf einer Säule.


Unter dieser Säule passiert alles.

Der Körper rotiert.

Der Körper richtet sich auf.

Der Körper verändert seine Position im Raum.


Die Kugel bleibt.


Je besser die Organisation, desto ruhiger die Säule.

Je ruhiger die Säule, desto geringer der Energieverlust.


Die eigentliche Arbeit: Gravitation

Viele Menschen glauben, der Get Up sei eine Überkopf-Übung.

Tatsächlich ist er eine Übung gegen die Gravitation.


Die Schwerkraft zieht permanent an der Kugel.

Sie zieht permanent am Körper.

Und sie macht keine Pause.


Während der obere Arm die Last stabilisiert, findet die eigentliche Arbeit oft darunter statt.


Betrachten wir nur den unteren Arm.

Als Kettlebellarm trägt das Gewicht der Kugel.

Als Stützarm trägt zusätzlich das Gewicht des Körpers.

Er trägt gleichzeitig:

  • Körpergewicht

  • Kugelgewicht

  • Hebelwirkungen beider


Der Kampf findet nicht nur über Kopf statt.

Er findet vor allem am Boden statt.


Genau deshalb wird der Stützarm so häufig unterschätzt.


Mobile Stabilität

Vielleicht zeigt keine andere Übung so deutlich, dass Mobilität und Stabilität keine Gegensätze sind.


Die Hüften müssen beweglich sein.

Die Schultern müssen beweglich sein.

Der Brustkorb muss beweglich sein.


Gleichzeitig muss der Rumpf stabil sein.


Ohne Mobilität wird die Position unerreichbar.

Ohne Stabilität wird die Position unhaltbar.


Der Get Up verlangt beides.

Nicht nacheinander.

Sondern gleichzeitig.

In jedem einzelnen Übergang.


Mobilität ohne Stabilität ist Bewegung.

Stabilität ohne Mobilität ist Stillstand.


Der Get Up verlangt mobile Stabilität.


Integration

Der Get Up trainiert keine einzelne Fähigkeit.

Er trainiert ihre Zusammenarbeit.


Der Blick arbeitet.

Die Hand arbeitet.

Die Schulter arbeitet.

Die Atmung arbeitet.

Die Hüfte arbeitet.

Die Beine arbeiten.

Der Fuß arbeitet.

Alles gleichzeitig.

Nichts darf fehlen.


Je schwerer die Last wird, desto deutlicher wird diese Wahrheit.


Der Get Up fragt nicht:

Ist ein Teil stark genug?

Er fragt:

Arbeiten alle Teile zusammen?


Was entwickelt der Mensch dadurch?

Der Turkish Get Up entwickelt keine einzelne Muskelgruppe.


Er entwickelt die Fähigkeit,

sich unter einer Last zu organisieren.

Orientierung zu behalten.

Positionen zu wechseln.

Mobilität und Stabilität gleichzeitig einzusetzen.

Und trotz ständig wechselnder Bedingungen die Kontrolle zu behalten.


Der Get Up trainiert Fokus.

Integration.

Mobile Stabilität.

Belastbarkeit.


Anpassungsfähigkeit.


Wo begegnet uns das?

Überall dort, wo sich Bedingungen verändern.

Im Sport.

Im Alltag.

Im Alter.

Nach Verletzungen.

Unter Belastung.


Immer dann, wenn der Mensch gezwungen ist, neue Positionen einzunehmen, ohne die Kontrolle zu verlieren.


Die häufigste Fehlinterpretation

Viele Menschen betrachten den Get Up als eine Möglichkeit, mit einer Kettlebell aufzustehen.

Das ist ungefähr so, als würde man ein Orchester als Ansammlung einzelner Instrumente beschreiben.


Technisch richtig.

Inhaltlich viel zu klein.


Die eigentliche Aufgabe besteht nicht darin aufzustehen.


Die eigentliche Aufgabe besteht darin, während des gesamten Weges organisiert zu bleiben.


Der letzte Gedanke

Der Get Up trainiert nicht das Aufstehen.

Er trainiert die Fähigkeit, sich unter einer Last immer wieder neu zu organisieren.


Der Anfänger sieht eine Kugel über dem Kopf.

Der Fortgeschrittene sieht ein System darunter.


Und je schwerer die Last wird, desto deutlicher wird:

Nicht die Kugel ist die Herausforderung.


Die Herausforderung ist alles, was unter ihr passiert.

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