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P33
ARC IV – OPEN
Erstellt am:
16.01.2026
ARC IV – OPEN
Warum Rückwärtsbewegung kein Risiko ist – sondern Rettung
OPEN ist die auffälligste Bewegung im ARC-System.
Und diejenige, die am meisten Fragen aufwirft.
„Ist das nicht ein Hohlkreuz?“
„Ist das nicht gefährlich für den Rücken?“
„Sollte man bei Rückenproblemen nicht genau das vermeiden?“
Ich habe all diese Fragen selbst gestellt.
Und ich habe sie mir jahrelang falsch beantwortet.
Meine Geschichte mit der Rückwärtsbewegung
Als mein Rücken „wieder in Ordnung“ war, lag das nicht daran, dass ich ihn geschont habe. Es lag daran, dass ich gelernt habe, mich wieder aufzurichten.
Nach meiner Bandscheiben-OP war Rückwärtsbewegung das Letzte, was ich mir zugetraut hätte. Ich hatte gelernt: Flexion entlastet, Extension gefährdet.
Und ja – kurzfristig stimmt das.
Aber langfristig hat mich genau diese Logik (und die daraus resultierenden Angst - gleich mehr dazu…) in der Beugung festgehalten.
OPEN war die Bewegung, die mir das System zurückgegeben hat.
Nicht aggressiv. Nicht passiv.
Sondern geführt, unter Spannung, in Länge.
Das große Missverständnis: „Hohlkreuz“
Das, was wir landläufig als „Hohlkreuz“ bezeichnen,
ist keine Extension, sondern eine Kompensation.
Becken kippt nach vorne
LWS kollabiert lokal
Brustkorb bleibt geschlossen
Hüfte bleibt in Beugung
Das ist kein OPEN.
Das ist ein Ausweichen, weil das System keine Reichweite mehr hat.
Echte Extension verteilt sich über den ganzen Körper:
Fuß → Bein → Becken → Wirbelsäule → Brustkorb → Schulter → Kopf.
OPEN ist Repositionierung, kein Durchdrücken.
Repositionierung bei BSV – was wir täglich beobachten
Bei Bandscheibenvorfällen wird häufig Folgendes empfohlen:
Schonung
Flexionsvermeidung? Nein – im Gegenteil
Stufenlagerung
Stufenlagerung ist nichts anderes als:
👉 Sitzen in Rückenlage
Hüfte maximal gebeugt
LWS entlordosiert
Druck wird kurzfristig reduziert
Das lindert.
Aber es löst nichts.
Denn Sitzen ist genau das Muster, das die meisten Probleme erst verursacht hat.
Sitzen – die unterschätzte Ursache
Sitzen ist eine Dauer-Flexion:
Hüfte gebeugt
Ilio-Psoas verkürzt funktionell
Gesäß deaktiviert
Brustkorb kollabiert
Kopf wandert nach vorne
Der Körper passt sich an.
Immer.
Wenn OPEN fehlt, fehlt dem System:
Gegenzug
Reichweite
Aufrichtung
Atmungsraum
Schmerz entsteht nicht, weil Extension gefährlich ist, sondern weil sie nicht mehr verfügbar ist.
Der Ilio-Psoas – mehr als ein Hüftbeuger
Der Ilio-Psoas wird oft als „verkürzt“ beschrieben.
Biomechanisch korrekt wäre:
chronisch aktiviert.
Er ist:
Hüftbeuger
Wirbelsäulenstabilisator
Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper
eng mit dem autonomen Nervensystem verschaltet
Nicht umsonst nennt man ihn den Stressmuskel.
Psychischer Stress → Psoas spannt an
Psoas spannt an → Becken kippt
Becken kippt → LWS reagiert
LWS reagiert → Schmerz
Und jetzt die Umkehrung – entscheidend für ARC:
Körperliche Aufrichtung → Psoas gibt nach
Freier Atem → Nervensystem reguliert
Mechanische Sicherheit → psychische Entlastung
OPEN wirkt in beide Richtungen.
Warum OPEN meine größte Veränderung war
Ich habe nicht gelernt, meinen Rücken zu schonen.
Ich habe gelernt, ihm wieder Raum zu geben.
OPEN hat mir:
die natürliche Lordose zurückgegeben
den Brustkorb wieder geöffnet
die Atmung vertieft
Spannung neu verteilt
Vertrauen in Bewegung zurückgebracht
Nicht durch Maximierung.
Sondern durch kontrollierte Rückwärtsbewegung unter Last.
OPEN im ARC-System
OPEN ist kein isolierter Stretch.
Es ist der erste Spannbogen, der alles andere ermöglicht.
Ohne OPEN:
kein ROTATE
kein MERGE
keine stabile Mobilität
OPEN ist die Einladung an das System, sich wieder aufzurichten.
Warum OPEN die Voraussetzung für alles ist
OPEN ist kein optionales Movement.
Es ist die Grundbedingung, damit der Körper überhaupt sinnvoll arbeiten kann.
Ohne OPEN …
… kein ROTATE
Rotation benötigt Raum.
Ohne OPEN bleibt die Wirbelsäule in Flexion „eingefroren“.
Was dann als Rotation erscheint, ist meist:
ein Ausweichen über die Lendenwirbelsäule
oder ein Verdrehen der Schulter ohne thorakale Beteiligung
Echte Rotation entsteht nur, wenn die Wirbelsäule aufgerichtet ist.
OPEN schafft diese Aufrichtung – erst dann kann ROTATE verteilt, kontrolliert und sicher stattfinden.
… kein MERGE
MERGE ist Integration.
Integration setzt voraus, dass alle Linien zugänglich sind.
Ist die vordere Linie geschlossen:
kann die hintere Linie nicht sinnvoll arbeiten
verlieren diagonale Ketten ihre Spannung
bricht die Verbindung zwischen Hüfte und Schulter
Ohne OPEN bleibt MERGE ein Konzept – aber keine Bewegung.
Integration ohne Aufrichtung ist Illusion.
… keine stabile Mobilität
Mobilität ohne OPEN ist instabil.
Stabilität ohne OPEN ist starr.
Stabile Mobilität entsteht nur dann, wenn der Körper Länge unter Spannung organisieren kann.
OPEN ist der Moment, in dem das System lernt:
„Ich darf mich aufrichten, ohne mich zu verlieren.“
Rotation ist immer OPEN und BOW zugleich
Ein entscheidender Punkt wird häufig übersehen:
Wirbelsäulenrotation ist nie eine reine Drehbewegung.
Rotation ist immer:
OPEN auf der einen Seite
BOW auf der anderen
Die Wirbelsäule arbeitet spiralförmig.
Ohne Extension auf der einen Seite kann es keine kontrollierte Beugung auf der anderen geben.
Fehlt OPEN:
wird Rotation kurz
hart
und lokal kompensiert
Das erklärt, warum viele Menschen „rotieren“,
aber danach Rücken- oder Nackenschmerzen entwickeln.
Die Bewegung fehlt nicht – die Voraussetzung fehlt.
Der Rücken als Hebel – nicht als Stabilisator
Im Krafttraining wird häufig gefordert:
„Rücken stabil halten.“
Biomechanisch ist das unpräzise – und oft falsch verstanden.
Der Rücken ist:
kein Block
keine starre Säule
sondern ein Hebel, der Kraft überträgt
In Bewegungen wie:
Deadlift
Squat
Swing
Clean
Snatch
muss die Wirbelsäule:
aufgerichtet sein (OPEN)
Spannung halten (BOW)
und Kräfte weiterleiten (MERGE)
Ohne OPEN:
kann keine echte Rumpfspannung entstehen
wird „Stabilität“ zur Versteifung
und Last wird lokal abgefangen statt global verteilt
Das Ergebnis:
Überlastung
Schutzspannung
Schmerz
Nicht, weil die Bewegung falsch ist –
sondern weil die Bewegungsarchitektur fehlt.
OPEN als Voraussetzung für Kraft
Ich bin überzeugt:
Viele Rückenprobleme im Krafttraining entstehen nicht durch zu viel Last,
sondern durch zu wenig Aufrichtung.
OPEN:
richtet die Wirbelsäule auf
verteilt Spannung über den gesamten Körper
erlaubt dem Rücken, Hebel zu sein statt Opfer
Erst dann wird Krafttraining:
sicher
übertragbar
und nachhaltig
Zusammenfassung
OPEN ist kein Rückbeugen-Training.
OPEN ist Strukturerhalt.
Ohne OPEN:
keine Rotation
keine Integration
keine stabile Mobilität
keine echte Kraftübertragung
OPEN ist die Voraussetzung dafür,
dass der Körper wieder als Ganzes arbeiten darf.
OPEN im ARC-System – wenn Schwerkraft die Arbeit übernimmt
Im P33 nutze ich für OPEN eine horizontale Eichenstamm-Konstruktion –
das ARC-System.
Der Körper positioniert sich quer über den Stamm,
das Becken wird zum Fixpunkt,
der Oberkörper lehnt sich kontrolliert nach hinten in die OPEN-Haltung.
Ab diesem Moment übernimmt die Schwerkraft.
Was in der stehenden Variante noch aktiv gehalten werden muss,
wird hier zur exzentrischen Realität:
Die vordere Kette wird unter Last verlängert –
ohne Ausweichen, ohne Abkürzung.
Der Wirkungsgrad steigt nicht linear, sondern sprunghaft.
OPEN wird:
von einer Haltungsarbeit
zu einer strukturellen Belastung
von einer Idee
zu einer Repositionierung unter Zug
Gerade für Menschen mit Rückenproblematik ist das entscheidend:
Nicht mehr „mehr machen“, sondern weniger ausweichen können.
Die horizontale Lage zwingt das System, Extension global zu organisieren –
über Hüfte, Wirbelsäule, Brustkorb und Schulter hinweg.
Das ist kein Stretching.
Das ist Biomechanik unter Schwerkraft.
Fazit
Rückwärtsbewegung ist nicht das Problem.
Der Verlust der Fähigkeit dazu ist es.
OPEN ist keine Provokation.
Es ist eine Repositionierung.
Für den Rücken.
Für das Nervensystem.
Für den Menschen, der gelernt hat, sich klein zu machen –
und wieder lernen muss, sich aufzurichten.
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