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P33
ARC V – SHIFT
Erstellt am:
22.02.2026
Ort:
Pergamentergasse 33A
ARC V – SHIFT
Last verschieben.
Spannung organisieren.
Bewegung kontrollieren.
Nach OPEN ist klar: Beweglichkeit ohne Organisation ist wertlos.
Doch selbst ein Athlet mit sauberer Öffnung scheitert oft im nächsten Schritt — nicht weil Range fehlt, sondern weil er die Last im System nicht kontrolliert verlagern kann.
Hier beginnt SHIFT.
SHIFT ist die Fähigkeit, das Körperschwergewicht bewusst über die Unterstützungsfläche zu verlagern, ohne dass die strukturelle Integrität verloren geht.
Nicht rutschen.
Nicht ausweichen.
Organisiert verschieben.
Was SHIFT wirklich bedeutet
Biomechanisch betrachtet ist SHIFT keine „Gewichtsverlagerung“ im umgangssprachlichen Sinne.
Es ist:
eine gezielte Schwerpunktverschiebung (COM)
bei erhaltener Gelenkorganisation
unter kontrollierter Spannungsführung
Der Unterschied ist entscheidend.
Viele Athleten können ihr Gewicht verlagern.
Nur wenige können es tun, ohne dass das System auseinanderfällt.
Typische Kompensationen:
Becken kippt statt zu gleiten
Knie kollabiert medial
Fuß verliert Kontaktpunkte
Wirbelsäule übernimmt die Bewegung
Das Ergebnis: scheinbare Bewegung — aber keine kontrollierte Lastübertragung.
Warum SHIFT im Training oft übersehen wird
Die Fitnesswelt liebt Output:
Mehr Gewicht.
Mehr Wiederholungen.
Mehr Watt.
SHIFT produziert davon zunächst wenig Sichtbares — aber es entscheidet, ob Output reproduzierbar bleibt. In deiner Praxis siehst du das täglich.
Der Athlet kann:
schwer heben ✔️
schnell sprinten ✔️
explosiv drücken ✔️
…aber verliert die Kontrolle, sobald Last lateral, diagonal oder einbeinig organisiert werden muss.
Das ist kein Kraftproblem.
Das ist ein SHIFT-Problem.
Die mechanische Realität
Jede dynamische Bewegung im Sport enthält SHIFT-Anteile:
Gangzyklus
Sprint
Richtungswechsel
Get Up
einbeinige Muster
sogar der scheinbar „bilaterale“ Squat
Sobald der Schwerpunkt nicht exakt mittig über der Unterstützungsfläche bleibt, muss das System verschieben — oder kompensieren.
SHIFT ist damit kein Spezialfall.
SHIFT ist Grundbetrieb.
ARC-Kontext: Wo SHIFT einordnet
Im ARC-System folgt SHIFT logisch auf OPEN:
OPEN schafft verfügbare Bewegungsoption
SHIFT organisiert Last innerhalb dieser Option
ROTATE koppelt die Ebenen dynamisch
MERGE integriert alles unter Geschwindigkeit und Last
BOW verbindet Zug und Druck entlang der posterioren Kette
Ohne OPEN → kein Raum.
Ohne SHIFT → kein Transfer.
Das tragende Element: Laterale Länge unter Druck
Wenn SHIFT oberflächlich bleibt, sehen wir nur Bewegung.
Wenn SHIFT korrekt ausgeführt wird, sehen wir organisierte laterale Spannung unter Länge.
Der entscheidende Cue ist die tiefe Seitneigung mit aktivem Wanddruck.
Nicht lehnen.
Nicht kippen.
Lang werden — dann drücken.
Setup: Maximale laterale Länge herstellen
Aus der aufrechten Position arbeitet der Athlet in eine klare Seitneigung — jedoch unter strikter Vermeidung von Rotation.
Positionsmerkmale:
Ellenbogen der oberen Seite vollständig gestreckt
Knie der belasteten Seite lang organisiert
Becken deutlich lateral herausgeschoben
Rippen bleiben gestapelt (kein Aufdrehen)
Wirbelsäule bildet einen gleichmäßigen Bogen
Blick neutral
Die Zielvorgabe ist eindeutig:
Maximale Flankenlänge vor jeder Aktivität.
Erst wenn echte Länge vorhanden ist, wird SHIFT relevant.
Der entscheidende Moment: Druck gegen die Wand
Jetzt kommt der Punkt, den viele Programme komplett übersehen.
Die Hand der gestreckten Seite wird aktiv gegen die Wand gedrückt.
Nicht anlehnen. Nicht stützen. Drücken.
Was dabei passiert, ist biomechanisch hochrelevant:
Aktivierung der lateralen Kette
Spannungsaufbau unter Länge
Kopplung von Schultergürtel und Becken
Verbesserung der frontalebenen Stabilität
Vorbereitung auf dynamische Lastverschiebung
Das ist kein Stretch.
Das ist Muskellängentraining unter Spannung.
Warum dieser Cue so mächtig ist
Viele Athleten können sich seitneigen.
Viele können sogar weit seitneigen.
Aber nur wenige können:
Länge halten
Struktur bewahren
und gleichzeitig lateral Druck erzeugen
Genau hier trennt sich passive Beweglichkeit von funktioneller Kontrolle.
In der Praxis zeigt sich:
Ohne aktiven Wanddruck bleibt SHIFT:
weich
unpräzise
schwer übertragbar
Mit Wanddruck entsteht:
klare laterale Spannung
bessere Fußanbindung
stabileres Becken
reproduzierbare Lastverschiebung
Coaching-Cues aus dem Feld
Kurz und wirksam:
„Werde lang — dann drück.“
„Schieb die Wand weg, nicht dich hin.“
„Becken raus, Rippen gestapelt.“
„Keine Rotation — nur Bogen.“
„Spannung auf Länge halten.“
Wenn der Athlet korrekt arbeitet, fühlt sich die Flanke aktiv gespannt, nicht passiv gedehnt an.
Transfer in den Sport
Diese Form von SHIFT ist hochübertragbar auf:
Richtungswechsel
Sprintübergänge
Einbeinmuster
Get Up
laterale Stabilisationsanforderungen im TT und Bahnrad
Denn im Sport passiert genau das:
Länge entsteht → Kraft wird aufgenommen → lateral organisiert → wieder freigegeben.
Wer nur verschiebt, kompensiert.
Wer unter Länge Druck erzeugt, kontrolliert.
weitere Praxisblöcke: 3 SHIFT-Drills mit hoher Übertragbarkeit
1. Lateral Weight Shift (stehend)
Ziel: saubere COM-Verschiebung über den Fuß
Setup:
aufrecht stehen
Füße etwa hüftbreit
Tripod-Foot aktiv
Becken neutral organisiert
Ausführung:
Schwerpunkt langsam nach rechts verlagern
Fußkontakt vollständig erhalten
Becken gleitet horizontal (kein Kippen)
zurück zur Mitte
Seite wechseln
Qualitätsmarker:
Fußgewölbe bleibt aktiv
Knie folgt dem zweiten Zeh
Kopf bleibt ruhig
keine Seitneigung der Wirbelsäule
👉 Wenn der Athlet „fällt“ statt gleitet, fehlt SHIFT-Kontrolle.
2. Split-Stance Controlled Shift
Ziel: Lastübertragung in sagittaler Ebene
Warum stark: Hoher Transfer zu Sprint, Get Up, Ausfallschritt.
Setup:
versetzter Stand
beide Füße voll belastet
vorderes Knie weich
Ausführung:
Schwerpunkt langsam nach vorn verlagern
hinterer Fuß bleibt aktiv
Druck baut sich progressiv auf
kontrolliert zurück
Fehlerbild / Viele Athleten:
schieben das Becken
verlieren den hinteren Fuß
kippen in die LWS-Extension
Sauberer SHIFT fühlt sich unspektakulär — aber massiv kontrolliert an.
3. Einbeiniger Mikro-SHIFT
Ziel: hohe lokale Organisationsanforderung
Setup:
Einbeinstand
Standbein im Tripod
freies Bein locker
Ausführung:
minimale Gewichtsverlagerungen im Fuß
vor/zurück/lateral
ohne sichtbare Systembewegung
Das ist ein diagnostischer Killer.
Wenn hier Chaos entsteht, wird es unter Last garantiert sichtbar.
Coaching-Realität aus dem Feld
Bei vielen Athleten zeigt sich ein klares Muster:
Athleten verlieren selten Kraft zuerst.
Sie verlieren Positionskontrolle unter Lastverschiebung.
Genau dort sitzt SHIFT.
Deshalb gilt:
Organisation schlägt Output — besonders unter Bewegung.
Take-Home für Trainer
Wenn du SHIFT systematisch entwickelst:
stabilisiert sich der Einbeinstand
wird der Get Up ruhiger
verbessert sich Richtungswechsel
sinkt das Risiko medialer Kniekompensation
steigt die Übertragbarkeit von Krafttraining
SHIFT ist kein Zusatz.
SHIFT ist Strukturpflege unter Bewegung.
Teaser zu ARC VI
Im nächsten Schritt reicht reines Verschieben nicht mehr.
Das System muss Last dreidimensional koppeln.
ARC VI – ROTATE zeigt, warum viele stabile Athleten unter Rotation plötzlich die Kontrolle verlieren.
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